Frankreich will Solarenergie ausbauen
Paris (bfai) - Frankreich zeigt neue Ansätze in der Solarenergie. Grundlegend ist das OSEO-Projekt Solar Nano Crystal, das Spitzentechnologie entwickeln und dem gesamten Photovoltaik-Markt neue Impulse verleihen soll. Das Unternehmen Silpro unter der Regie der SOL Holding markiert den Einstieg in die Silizium-Fertigung. EDF Energies Nouvelles will sich stärker engagieren, über Beteiligungen wie auch Großprojekte. Mangels Eigenproduktion eröffnet sich für die deutsche Photovoltaik-Branche über Jahre hinweg ein überaus interessanter Zielmarkt.(Internetadressen)OSEO startet größeres F&E-Projekt / Erstes Silizium-Werk in der Provence / Von Waldemar Duscha
Der Photovoltaik-Markt regt sich. Frankreich weiß um seinen hohen Rückstand gegenüber den südlichen Nachbarn Spanien und Italien, aber auch dem kaum sonnenverwöhnten Deutschland. Im Jahr 2007 gingen schätzungsweise maximal 40 bis 50 MW ans Netz gegenüber 1.100 MW in Deutschland. Die gesamte Photovoltaik-Kapazität hat sich damit zwar auf runde 80 MW verdoppelt, liegt aber weit hinter Deutschland zurück mit 3.800 MW (peak). Laut EDF Energies Nouvelles sollte Frankreich in den nächsten drei bis vier Jahren eine Gesamtkapazität von mindestens 2.000 MW ansteuern.
Stärker in der Photovoltaik engagieren will sich zukünftig OSEO, die für die Finanzierung und Förderung des KMU-Sektors zuständig ist. Im März 2008 wurde das F&E-Projekt Solar Nano Crystal ins Leben gerufen, das drei Ziele verfolgt: Entwicklung von Silizium mit Solarqualität, Erhöhung der Effizienz von Photovoltaik-Zellen und Entwicklung innovativer Module zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Solarenergie. Das Projekt vereint die Expertise aus Wirtschaft, Technik und Wissenschaft: Emix, Photosil, Silpro, PV Alliance (PhotoWatt Technologies, EDF Energies Nouvelles, CEA), Apollon Solar sowie das l'Institut national de l'énergie Solaire mit den Forschungsgruppen von CEA, CNRS, CSTB und der l'Université de Savoie.
Als Ergebnis soll eine signifikante Kostensenkung der Solarenergie herauskommen - dank bahnbrechender Innovationen, die in einer Pilotanlage namens LabFab getestet werden. Das Projekt steht im Rahmen des Anfang 2008 beschlossenen Programms "Innovation stratégique industrielle", das gleichzeitig die ehemalige Agence de l'innovation industrielle in OSEO integrierte. Das F&E-Budget ist mit 190 Mio. Euro programmiert, davon 46,5 Mio. Euro aus der Staatskasse als Zuschuss und Darlehen - vorbehaltlich der Zustimmung Brüssels.
Die 2006 eingeführten finanziellen Anreize des Staates sind zukunftsweisend und fundamental. Für Solarstrom aus Freiland- und Dachanlagen wurde der Fördertarif nahezu verdoppelt. Die Einspeise-Vergütung für Strom aus gebäudeintegrierten Photovoltaik-Anlagen wurde auf 550 Euro pro MWh angehoben. Die Ankaufverpflichtung von EDF wurde allerdings begrenzt auf eine Kapazität von 160 MW im Jahr 2010. Private Haushalte genießen seit 2006 einen Steuerkredit, der die Abschreibung von 50% der Ausrüstungskosten erlaubt. Bei solarthermischen Großanlagen erstattet die Regierung auf Antrag bis zu 80% der Investitionskosten.
Angesichts der geringen Marktdynamik ist die Produktionsseite bisher rudimentär entwickelt. Der französische Champion heißt seit gut zwei Jahrzehnten Photowatt. Die einzige Anlage mit einer Produktionskapazität von 60 MW ist zu 100% ausgelastet, der Großteil geht in den Export. Der zweite Akteur ist Tenesol, eine Tochter von EDF und Total, die aber lediglich die Paneele für importierte Solarzellen produziert.
Generell betätigt sich EDF Energies Nouvelles immer intensiver im Geschäft und verteilt Photovoltaik-Ausrüstungen in Frankreich wie auch in Spanien, Italien und Griechenland. In diesem Rahmen wurden Beteiligungen an Fotosolar in Spanien, RETD in Griechenland und Photon Power Technologies in Frankreich erworben. Gegenüber der Wirtschaftszeitung "Les Echos" konstatierte Unternehmenschef David Corchia die prinzipielle Bereitschaft zur Beteiligung an einem größeren Investitionsprojekt zwischen 50 Mio. bis 200 Mio. Euro, wobei der Kapitaleinsatz von der jeweiligen Technologie abhänge.
Ein Meilenstein ist das Silizium-Werk Silpro (Silicium de Provence). Mehrheitsaktionär ist die SOL Holding, ein Joint Venture aus der niederländischen Econcern (52%) und SOLON (48%), die Partner sind Norsun und Photon Power Technologies. Silpro soll nach zwei Jahren Bauzeit 2010 betriebsbereit sein. Die Investitionskosten betragen rund 500 Mio. Euro für eine Kapazität von jährlich 3.000 bis 4.000 t Silizium. Laut EDF könnte die Kapazität auf 8.000 t verdoppelt werden, ausreichend für die Produktion von 800 MW Photovoltaik-Paneelen pro Jahr.
Stärker engagieren will sich der auf Luftfracht und Distribution (Kfz, Nahrungsmittel) ausgerichtete Groupe Dubreuil aus der Vendée. Dubreuil hatte 2007 das Photovoltaik-Unternehmen Solargie übernommen sowie 2008 eine Beteiligung von 40% an Les Energies Nouvelles aus La Rochelle, die auf Photovoltaik, Solar- und Geothermie spezialisiert ist. Parallel wurde die Gesellschaft Solinvest gegründet, die die eigenen Anlagen mit Solarpaneelen überdachen wird. Alle zusammen wurden unter einer Holding namens Groupe Dubreuil Energies Nouvelles (GDEN) zusammengefasst, die 2008 einen Umsatz von 12 Mio. Euro ansteuert.
Einen Großauftrag sicherte sich Urbasolar bei FM Logistic, einem führenden französischen Logistikanbieter. Das für die Großmarktkette Carrefour bestimmte Distributionszentrum wird eine Bedachung von 54.000 qm Solarmembranen mit einer Kapazität von 1,4 MW und einer Jahresleistung von 1,6 MWh erhalten, was dem Stromverbrauch von 500 Haushalten entspräche. Die Technologie stammt von Sika Sarnafil und Solar Integrated.
Ein Vorzeigeprojekt besonderer Art ist die Sonnenkühlung des Haribo-Museums in Uzès in Südfrankreich. Das Berliner Unternehmen PHÖNIX SonnenWärme realisierte hier 2007 mit der Tochter SK SonnenKlima eine Solarthermie-Anlage, die mit einer Absorptionskältemaschine gekoppelt ist. Finanziert wurde das PPP-Projekt (public private partnership) von PHÖNIX und dem deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.
Nach Schätzungen der Société Générale belief sich der Weltmarkt in der Solarenergie 2007 auf 12 Mrd. Euro. Spitzenreiter war Deutschland mit 33%, danach folgten Japan (23%) und die USA (5%) sowie der Rest der Welt (39%). Nach Produktionszweigen entfielen die größten Teile auf Paneelen (45%) und Solarzellen (37%) vor Wafern (11%) und Silizium (7%).
Internetadressen:
Ministère de l'Ecologie, du Développement et de l'Aménagement Durables
http://www.developpement-durable.gouv.fr
http://www.bfai.de/nsc_true/DE/Content/__SharedDocs/Links-Ei…
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